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Gold wird gar nicht wertvoller. Wirklich?

11. Aug.
12 Min. Lesezeit

Warum der Satz „Gold erhält nur seine Kaufkraft“ zwar richtig klingt – aber nur die halbe Wahrheit erzählt

Gold wird gar nicht wertvoller! Es gibt einen Satz über Gold, den man seit Jahrzehnten immer wieder hört:

„Gold wird nicht wertvoller. Gold erhält lediglich seine Kaufkraft.“

Klingt vernünftig.

Klingt sachlich.

Und irgendwie klingt es auch so, als wäre damit alles gesagt.

Nur: Stimmt das wirklich?

Wer mich kennt, weiß, dass ich bei solchen Aussagen ein Problem habe. Ich übernehme sie nicht einfach, nur weil sie oft genug wiederholt wurden.

Ich möchte wissen, was dahintersteckt.

Und dafür gibt es nur einen Weg:

Wir müssen genauer hinschauen.

Die berühmte Unze Gold, der Anzug und die Schuhe

Fast jeder, der sich etwas länger mit Gold beschäftigt, kennt diesen Vergleich.

Sinngemäß heißt es:

Schon im Römischen Reich habe man für eine Unze Gold eine hochwertige Kleidung beziehungsweise eine Tunika oder Toga samt Schuhwerk bekommen – und auch heute könne man für eine Unze Gold noch einen guten Anzug und ein Paar Schuhe kaufen.

Die Schlussfolgerung lautet:

Siehst du? Gold ist gar nicht wertvoller geworden. Es hat lediglich seine Kaufkraft erhalten.

Nur steckt bereits in diesem schönen Vergleich ein gewaltiger Denkfehler.

Denn wir vergleichen zwei vollkommen unterschiedliche Produktionswelten miteinander.

Im Römischen Reich gab es kein H&M.

Kein C&A.

Keine automatisierten Textilfabriken.

Keine Container voller industriell gefertigter Kleidung aus Vietnam, China oder Bangladesch.

Kleidung und Schuhe wurden von Menschen hergestellt. Stoffe mussten produziert, zugeschnitten und verarbeitet werden. Schuhe entstanden in Handarbeit.

Wenn wir den historischen Vergleich also ernst nehmen wollen, dürfen wir heute nicht mit einem Anzug für 699 Euro und Schuhen für 199 Euro vergleichen.

Wir müssten fragen:

Was kostet heute ein Kleidungsstück, das individuell für seinen Träger gefertigt wird – aus hochwertigen Stoffen und in echter Handarbeit?

Und plötzlich verändert sich das Bild erheblich.

Ein vollständig maßgeschneiderter Zweiteiler beim traditionsreichen Savile-Row-Schneider Huntsman beginnt aktuell bei 7.500 britischen Pfund. Nicht inklusive Schuhe – nur der Anzug.

Bei John Lobb liegen selbst hochwertige fertige Herrenschuhe bereits bei rund 2.000 US-Dollar; daneben betreibt John Lobb ein eigenes Bespoke-Atelier für individuell angefertigte Schuhe.

Meine ursprüngliche Schätzung von 4.000 oder 5.000 Euro für Maßanzug und handgefertigte Schuhe war also eher vorsichtig.

Allein ein echter Spitzen-Maßanzug kann heute deutlich mehr kosten.

Und plötzlich bekommt die berühmte Geschichte von der Unze Gold und dem Anzug einen etwas anderen Geschmack.

Nebenbei: Der genaue römische „Eine Unze Gold = Anzug plus Schuhe“-Vergleich ist ohnehin eher ein häufig verwendetes Gedankenbild als eine sauber dokumentierte historische Preisformel.

Aber selbst wenn wir das Gedankenbild akzeptieren, müssen wir fair vergleichen.

Handarbeit mit Handarbeit.

Qualität mit Qualität.

Und nicht römische Maßanfertigung mit heutiger industrieller Massenproduktion.

Was sollte Geld eigentlich können?

Damit kommen wir zum eigentlichen Punkt.

Warum wurde Gold über Jahrtausende überhaupt als Geld beziehungsweise als monetärer Vermögenswert verwendet?

Weil Gold eine erstaunliche Fähigkeit besitzt:

Es kann menschliche Leistung durch die Zeit transportieren.

Du arbeitest heute.

Du erzeugst einen Überschuss.

Du konsumierst diesen Überschuss nicht.

Stattdessen speicherst du ihn.

Und irgendwann – vielleicht in zehn Jahren, vielleicht in 30 Jahren und theoretisch sogar Generationen später – möchtest du diese gespeicherte Leistung wieder abrufen.

Genau das ist eine der wichtigsten Funktionen von Geld.

Geld sollte teilbar sein.

Es sollte transportierbar sein.

Es sollte akzeptiert werden.

Es sollte möglichst leicht übertragen werden können.

Und vor allem sollte es eines können:

Es sollte die wirtschaftliche Leistung, die du hineingegeben hast, möglichst zuverlässig durch die Zeit tragen.

Und genau an diesem Punkt beginnen die Schwierigkeiten unseres heutigen Geldsystems.

Denn Fiatgeld besitzt zwar hervorragende Eigenschaften als Tausch- und Recheneinheit.

Aber als langfristiger Speicher von Kaufkraft ist es abhängig von Geldpolitik, Verschuldung, Inflation und Vertrauen.

Gold dagegen ist keine Forderung gegenüber einer Bank.

Keine Forderung gegenüber einem Staat.

Und kein Versprechen eines Schuldners.

Gold ist einfach da.

Aber bleibt seine Kaufkraft wirklich nur gleich?

Jetzt kommen wir zur entscheidenden Frage.

Wenn Gold menschliche Leistung konserviert, müsste es langfristig ungefähr das kaufen können, was es früher ebenfalls kaufen konnte.

Und über sehr lange Zeiträume ist genau dieser Gedanke durchaus richtig.

Aber daraus wird häufig eine falsche Schlussfolgerung gezogen:

Dass Gold niemals zusätzliche Kaufkraft gewinnen könne.

Und genau hier widerspreche ich.

Denn Wirtschaft und Geldsystem bewegen sich nicht in einer geraden Linie.

Sie bewegen sich in Phasen.

In Zyklen.

Es gibt lange Perioden von Stabilität.

Und es gibt Phasen, in denen Währungen, politische Systeme, Machtzentren und Vermögensverhältnisse neu geordnet werden.

Und genau in solchen Phasen kann Gold eine völlig andere Rolle spielen.

Währungen sind nicht für die Ewigkeit gebaut

Es gibt historische Modelle, die den Aufstieg und Niedergang großer Handels- und Finanzmächte über Jahrhunderte betrachten – Portugal, Spanien, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und schließlich die Vereinigten Staaten.

Man sollte daraus kein Naturgesetz machen.

Geschichte funktioniert nicht nach einer Eieruhr, die alle exakt 100 Jahre klingelt.

Aber eines lässt sich kaum bestreiten:

Keine internationale Währungsordnung existiert ewig.

Auch der Übergang vom britischen Pfund zum US-Dollar geschah nicht an einem bestimmten Dienstagmorgen. Er zog sich über Jahre beziehungsweise Jahrzehnte hin.

Mit dem Abkommen von Bretton Woods 1944 wurde der Dollar schließlich zum zentralen Anker des neuen internationalen Währungssystems. Andere Währungen wurden an den Dollar gebunden, während der Dollar gegenüber Gold zu 35 US-Dollar je Feinunze konvertierbar war.

Und dann kam der 15. August 1971.

Präsident Richard Nixon setzte die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold aus.

Damit begann das Ende des Bretton-Woods-Systems, das wenige Jahre später endgültig einer Welt weitgehend flexibler Wechselkurse wich.

Seitdem leben wir in einem monetären Experiment, das in dieser Form historisch noch ziemlich jung ist:

Geld ohne direkte Bindung an einen materiellen Anker.

Und der Dollar?

Auch hier lohnt sich Genauigkeit.

Man hört inzwischen häufig, der Dollar habe nur noch rund 50 Prozent Anteil an den weltweiten Währungsreserven.

Ganz so weit ist es noch nicht.

Der Anteil des US-Dollars an den erfassten globalen Devisenreserven lag laut Internationalem Währungsfonds im ersten Quartal 2026 bei rund 57,1 Prozent.

Aber die langfristige Richtung ist trotzdem interessant.

1999 waren es noch ungefähr 71 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass der Dollar morgen verschwindet.

Es bedeutet auch nicht automatisch, dass China die USA ablöst.

Vielleicht erleben wir zukünftig überhaupt keine einzelne neue Leitwährung.

Vielleicht entsteht stattdessen eine multipolarere monetäre Welt.

Genau das ist der Punkt:

Wir wissen nicht, wie die nächste Ordnung aussehen wird.

Aber wir können beobachten, dass sich die bestehende Ordnung verändert.

Und jetzt wird Gold interessant.

Warum Zentralbanken Gold nicht vergessen haben

Wenn Gold wirklich nur ein nostalgisches Relikt vergangener Jahrhunderte wäre, könnte man eine einfache Frage stellen:

Warum besitzen Zentralbanken überhaupt noch Gold?

Gold hat nämlich eine Eigenschaft, die gerade in Zeiten politischer und monetärer Veränderungen wichtig werden kann:

Es ist nicht die Verbindlichkeit eines anderen Staates.

Es braucht keinen Emittenten, der sein Versprechen einhält.

Das macht Gold zu einem besonderen Reservevermögen.

Und damit kommen wir zu der Frage, wegen der wir diesen ganzen Blog überhaupt schreiben:

Kann Gold in solchen Umbruchphasen mehr, als lediglich seine Kaufkraft zu erhalten?

Schauen wir uns einige Beispiele an.

2001: 35.000 D-Mark – Euro oder Gold?

Nehmen wir einen fiktiven Herrn Muster.

Dezember 2001.

Auf seinem Konto liegen 35.000 D-Mark.

Die Euro-Bargeldeinführung steht unmittelbar bevor.

Herr Muster hat zwei Möglichkeiten.

Er lässt sein Geld automatisch in Euro umstellen.

Oder er tauscht sein Geld vorher in Gold.

Der amtliche Umrechnungskurs lautete:

1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Aus 35.000 D-Mark wurden damit:

17.895,22 Euro.

Ganz wichtig:

Die Euro-Umstellung selbst halbierte nicht plötzlich die statistische Kaufkraft des Geldes.

Diesen Fehler möchte ich ausdrücklich nicht machen.

Die Bundesbank stellte später fest, dass die Umstellung insgesamt keinen allgemeinen Preissprung in Größenordnung einer Verdopplung verursachte. Sehr wohl gab es aber in einzelnen Bereichen deutlich wahrnehmbare Preiserhöhungen – insbesondere bei Dienstleistungen und in der Gastronomie. Genau deshalb blieb der Begriff „Teuro“ bei vielen Menschen hängen.

Viele werden sich an dieses Gefühl trotzdem erinnern:

Man rechnete jahrelang zurück.

„Das wären früher fast 20 Mark gewesen.“

Warum?

Weil Menschen Kaufkraft nicht in Statistiken erleben.

Sie erleben sie beim Bäcker.

Im Restaurant.

Beim Friseur.

Beim Auto.

Beim Hauskauf.

Und was wäre mit Gold passiert?

Und jetzt wird es richtig interessant.

Herr Muster hätte seine 35.000 D-Mark Ende 2001 nämlich nicht automatisch in Euro umwandeln lassen müssen.

Er hätte auch Gold kaufen können.

Bei einem damaligen Goldpreis von ungefähr 600 D-Mark je Feinunze hätte er rund  58 Unzen Gold erwerben können.

Und diese rund 58 Unzen wären heute immer noch dieselben rund 58 Unzen.

Kein Währungsschnitt.

Keine Umrechnung.

Keine neue Zahl auf einem Konto.

58 Unzen bleiben 58 Unzen.

Auf meiner Homepage habe ich genau deshalb einen Live-Rechner eingebaut, der den aktuellen Gegenwert dieser Goldmenge jederzeit neu berechnet.

In dem Moment, in dem ich diesen Artikel schreibe, stehen dort rund:

220.259 Euro.

Und jetzt möchte ich weg von irgendwelchen abstrakten Inflationsraten, Verbraucherpreisindizes und mathematischen Modellen.

Machen wir es so, dass es wirklich jeder versteht.

2001: Golf.

Heute: Porsche 911.

Mit rund 35.000 D-Mark bewegte man sich 2001 in der Preiswelt eines neuen VW Golf IV – je nach Motorisierung und Ausstattung etwas darüber oder darunter.

Das war ein ordentliches neues Auto.

Aber eben ein Golf.

Heute beträgt der Gegenwert derselben Goldmenge rund 220.000 Euro.

Und dafür bekommst du heute nicht einfach wieder einen neuen Golf.

Nicht zwei Golf.

Nicht drei Golf.

Du kannst damit aktuell einen fabrikneuen Porsche 911 Carrera 4 GTS kaufen.

Der beginnt in Deutschland derzeit bei 185.300 Euro, verfügt über 541 PS, Allradantrieb und beschleunigt mit Sport Chrono in rund drei Sekunden auf 100 km/h. Und von unseren rund 220.000 Euro blieben anschließend noch fast 35.000 Euro für Sonderausstattung übrig.

Das muss man sich einmal vor Augen führen:

2001:

35.000 D-Mark → neuer VW Golf

Die gleiche wirtschaftliche Ausgangssumme in Gold getauscht:

rund 58 Unzen Gold

Heute:

dieselben rund 58 Unzen Gold → fabrikneuer Porsche 911 Carrera 4 GTS plus fast 35.000 Euro Spielraum für Extras.

Und genau an diesem Punkt wird der berühmte Satz

„Gold erhält lediglich seine Kaufkraft“

für mich plötzlich ziemlich dünn.

Denn wenn Gold lediglich seine Kaufkraft erhalten hätte, müsste ich heute mit dieser Goldmenge ungefähr wieder dort stehen, wo ich 2001 gestanden habe:

bei einem Fahrzeug aus der Golf-Klasse.

Tue ich aber nicht.

Ich bin von einem normalen Kompaktwagen in einer vollkommen anderen Fahrzeug- und Preisklasse angekommen.

Vom Golf zum Porsche 911.

Und deshalb lautet die entscheidende Frage plötzlich nicht mehr:

Hat Gold seine Kaufkraft erhalten?

Sondern:

Hat Gold in diesem Zeitraum gegenüber bestimmten Gütern seine Kaufkraft massiv erhöht?

Und zumindest bei diesem ganz konkreten und für jeden nachvollziehbaren Vergleich lautet die Antwort eindeutig:

Ja.

Natürlich ist der Vergleich eines Automobils aus dem Jahr 2001 mit einem Automobil von heute kein wissenschaftlicher Verbraucherpreisindex. Fahrzeuge, Technik, Ausstattung und Produktionskosten haben sich verändert.

Aber genau darum geht es hier auch gar nicht.

Es geht um reale wirtschaftliche Möglichkeiten.

Was konnte ich damals mit meinem Vermögen kaufen?

Und was kann ich heute mit derselben Goldmenge kaufen?

Und da liegen zwischen einem VW Golf und einem Porsche 911 Carrera 4 GTS Welten.

Das ist nicht nur Kaufkrafterhalt. Das ist zusätzliche Kaufkraft.

1971: Jetzt wird es richtig interessant

Gehen wir noch weiter zurück.


Für mich eines der interessantesten Jahre der modernen Geldgeschichte.

Bis dahin war der Dollar im Bretton-Woods-System zu einem festen Kurs von 35 US-Dollar je Feinunze Gold an Gold gebunden.

Dann kam der 15. August 1971.

Nixon schloss das Goldfenster.

Stellen wir uns nun jemanden vor, der damals 100.000 US-Dollar besaß.

Das war 1971 ein erhebliches Vermögen.

Für 100.000 Dollar bekam man bei einem Goldpreis von 35 Dollar rechnerisch:

2.857,14 Feinunzen Gold.

Und jetzt kommt der Punkt.

Diese 2.857 Feinunzen sind heute immer noch 2.857 Feinunzen.

Auf meiner Homepage lasse ich ihren Gegenwert laufend anhand des aktuellen Goldpreises berechnen.

Zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Text schreibe, sprechen wir von einem Gegenwert von rund:

12,5 Millionen US-Dollar.

Und jetzt stelle ich eine ganz einfache Frage:

Glaubst du wirklich, dass 12,5 Millionen US-Dollar heute lediglich dieselbe Kaufkraft besitzen wie 100.000 US-Dollar im Jahr 1971?

Natürlich waren 100.000 Dollar damals extrem viel Geld.

Man konnte damit Immobilien erwerben, von denen Normalverdiener nur träumen konnten.

Aber 12,5 Millionen Dollar sind auch nach mehr als fünf Jahrzehnten Inflation heute ein gewaltiges Vermögen.

Deshalb reicht mir der Satz:

„Gold erhält lediglich seine Kaufkraft“

an dieser Stelle nicht mehr.

Denn zwischen 1971 und heute hat Gold gegenüber zahlreichen Vermögenswerten und Gütern Phasen erlebt, in denen seine relative Kaufkraft erheblich gestiegen ist.

Und dann war da noch 1948

Deutschland hat bereits erlebt, was passiert, wenn ein Geldsystem neu geordnet wird.

1948 wurde die Reichsmark durch die Deutsche Mark ersetzt.

Und diese Währungsreform war für Besitzer nominaler Geldvermögen brutal.

Bei einem großen Teil der Bank- und Sparguthaben blieben nach den verschiedenen Umstellungs- und Kürzungsschritten effektiv nur 6,50 D-Mark je 100 Reichsmark übrig.

100 Reichsmark.

6,50 D-Mark.

Das muss man sich einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Die Bundesbank selbst beschreibt, wie stark nominale Geldvermögen dadurch getroffen wurden.

Und jetzt erkennst du vielleicht das Muster.

Es geht nicht darum, irgendeinen bestimmten historischen Goldkauf im Jahr 1948 künstlich schönzurechnen – zumal Goldhandel, Devisenkontrollen und tatsächliche Marktpreise in dieser Zeit alles andere als normal waren.

Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres:

Ein Geldbetrag kann durch eine politische Entscheidung neu bewertet werden.

Eine Zahl auf einem Konto ist eine Forderung innerhalb eines Systems.

Gold dagegen muss nicht in eine neue Währung „umgestellt“ werden.

Eine Feinunze bleibt eine Feinunze.

Vor der Reform.

Während der Reform.

Und nach der Reform.

Der neue Preis entsteht anschließend in der neuen Währung.

Und genau diese Eigenschaft wird in normalen Zeiten gern unterschätzt.

In normalen Zeiten sieht Gold manchmal langweilig aus

Und damit kommen wir zum Kern dieses Blogs.

Warum hält sich die Aussage so hartnäckig, Gold würde lediglich seine Kaufkraft erhalten?

Weil sie in stabilen Zeiten durchaus sinnvoll ist.

Wenn Wirtschaft wächst.

Wenn Währungen funktionieren.

Wenn Vertrauen vorhanden ist.

Wenn Kreditsysteme stabil sind.

Wenn politische Ordnungen Bestand haben.

Dann kann Gold über Jahre sogar ziemlich langweilig aussehen.

Und genau dann sagen viele:

„Was soll ich damit?“

„Es zahlt keine Zinsen.“

„Es produziert nichts.“

„Es liegt nur herum.“

Stimmt.

Ein Feuerlöscher produziert ebenfalls nichts.

Seine Qualität beurteilst du nicht danach, wie viel Rendite er erwirtschaftet, während das Haus nicht brennt.

Das klingt überspitzt.

Aber genau darum geht es.

Gold zeigt seine besondere monetäre Eigenschaft häufig gerade dann, wenn andere Dinge beginnen, ihre scheinbare Selbstverständlichkeit zu verlieren.

Besondere Zeiten verändern die Spielregeln

Und jetzt wird es unbequem.

Denn die Welt befindet sich heute offensichtlich in einer Phase großer Veränderungen.

Staatsverschuldung.

Geopolitische Blöcke.

Handelskonflikte.

Neue Zahlungssysteme.

Wachsende Goldbestände vieler Zentralbanken.

Diskussionen über digitale Zentralbankwährungen.

Veränderungen bei internationalen Reservewährungen.

Eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft.

Niemand weiß exakt, wo diese Entwicklung endet.

Ich übrigens auch nicht.

Und wer behauptet, den Ausgang exakt zu kennen, erzählt dir Märchen.

Aber ich muss den Ausgang nicht kennen, um zu erkennen, dass etwas in Bewegung geraten ist.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Und genau deshalb genügt es nicht, Gold nur in Euro zu betrachten

Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke des ganzen Artikels.

Viele schauen auf Gold und fragen:

„Wie viele Euro ist meine Unze heute wert?“

Mich interessiert eine andere Frage viel mehr:

Was kann meine Unze kaufen?

Wie viel Immobilie?

Wie viel Energie?

Wie viel Mobilität?

Wie viele Monate Lebenshaltung?

Wie viel unternehmerische Handlungsfähigkeit?

Wie viel Freiheit?

Denn letztendlich ist es vollkommen uninteressant, ob eine Unze Gold irgendwann 5.000, 10.000 oder 150.000 Euro kostet, wenn gleichzeitig niemand weiß, was diese 150.000 Euro noch kaufen.

Entscheidend ist immer:

Wie viel reale Welt bekomme ich für mein Gold?

Und genau deshalb habe ich auf meiner Homepage zusätzlich einen ausführlichen Gedanken dazu veröffentlicht, was beispielsweise ein Goldpreis von 150.000 Dollar je Unze tatsächlich bedeuten könnte.

Nicht als Kursprognose.

Nicht als Versprechen.

Sondern als Gedankenexperiment.

Denn erst wenn man beginnt, Gold nicht nur in Fiatgeld, sondern in realer Kaufkraft zu betrachten, versteht man seine eigentliche Funktion.

Gold besitzen ist das eine. Darüber verfügen können das andere.

Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, der mir persönlich extrem wichtig ist.

Denn was bringt dir das beste Vermögen der Welt, wenn du im entscheidenden Augenblick nicht darauf zugreifen kannst?

Besondere Zeiten bedeuten möglicherweise nicht nur steigende Preise.

Sie können auch bedeuten:

Kapitalverkehrskontrollen.

Bankprobleme.

Politische Restriktionen.

Neue Meldepflichten.

Neue Steuern.

Grenzen.

Veränderte Rahmenbedingungen.

Und genau deshalb reicht mir persönlich der Satz:

„Ich habe Gold.“

nicht.

Meine nächste Frage lautet:

Wo?

Und danach:

Wie kann ich darüber verfügen?

Genau aus diesem Grund beschäftigen wir uns seit Jahren mit einer Lösung, bei der physisch hinterlegte Edelmetalle nicht einfach irgendwo herumliegen, sondern über unsere App verwaltet und weltweit verfügbar gemacht werden können.

Gold.

Silber.

Platin.

Palladium.

Denn Vermögensschutz ist für mich nur die erste Stufe.

Die zweite Stufe heißt Handlungsfähigkeit.

Und aus Handlungsfähigkeit entsteht etwas, das sich mit keinem Chart vernünftig messen lässt:

Freiheit.

Also: Wird Gold nun wertvoller – oder nicht?

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage.

„Gold wird überhaupt nicht wertvoller. Es erhält lediglich seine Kaufkraft.“

Meine Antwort lautet:

Der Satz stimmt – und er stimmt gleichzeitig nicht.

In langen stabilen Phasen kann Gold tatsächlich vor allem eines tun:

Kaufkraft speichern.

Lebensleistung konservieren.

Vermögen durch die Zeit transportieren.

Aber in außergewöhnlichen monetären Phasen kann etwas anderes passieren.

Wenn Vertrauen in Währungen sinkt.

Wenn Geldsysteme neu geordnet werden.

Wenn Vermögenswerte unterschiedlich bewertet werden.

Wenn Kapital neue sichere Häfen sucht.

Dann kann Gold gegenüber anderen Gütern und Vermögenswerten zusätzliche relative Kaufkraft gewinnen.

Und genau deshalb sollte man Gold nicht nur danach beurteilen, was es gestern gekostet hat.

Man sollte verstehen, was es in bestimmten historischen Situationen getan hat.

Vielleicht ist das größte Missverständnis über Gold ein ganz anderes

Die meisten Menschen fragen:

Ich glaube, das ist die falsche Frage.

Die bessere Frage lautet:

„Was passiert mit allem anderen?“

Denn Gold steigt nicht im luftleeren Raum.

Gold misst immer auch das Vertrauen in die Einheit, in der wir seinen Preis ausdrücken.

Und wenn dieses Vertrauen sich verändert, verändert sich die Welt hinter der Zahl.

Vielleicht erleben wir in unserem Leben eine solche Phase.

Vielleicht wird die heutige Ordnung noch sehr lange bestehen.

Niemand kann es wissen.

Aber genau deshalb besitze ich Gold nicht, weil ich die Zukunft kenne.

Ich besitze Gold, weil ich sie nicht kenne.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Unterschied. Hat dir dieser Beitrag gefallen?


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Quellen und weiterführende Hinweise

Die historischen Angaben zur Währungsreform 1948 und zum offiziellen Umrechnungskurs D-Mark/Euro stammen von der Deutschen Bundesbank.

Die Angaben zum Anteil des US-Dollars an den weltweiten Devisenreserven stammen aus der COFER-Datenbank des Internationalen Währungsfonds; für das erste Quartal 2026 weist der IMF rund 57,1 Prozent aus, gegenüber etwa 71 Prozent um die Jahrtausendwende.

Die historischen Angaben zum Bretton-Woods-System, zum Goldpreis von 35 US-Dollar je Feinunze und zur Aussetzung der Goldkonvertibilität 1971 stammen aus der historischen Dokumentation des Federal Reserve System sowie dem Office of the Historian des US-Außenministeriums.

Die aktuellen Preisbeispiele für hochwertige Maßschneiderei beziehungsweise Schuhe stammen von Huntsman Savile Row und John Lobb.

 
 
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